
Jens Poggenpohl: Teresa, an Wissenschaftspreisen herrscht kein Mangel. Warum ruft der W4 einen weiteren aus?
Das stimmt, es gibt viele Preise rund um das Thema Forschung und Innovation. Uns geht es im Unterschied zu vielen anderen Auszeichnungen aber nicht darum, wissenschaftliche Projekte an sich zu fördern, sondern das in den Fokus zu rücken, was sie in der Gesellschaft verändern und bewirken. Anders gesagt: Wir suchen Projekte, die ihre Erkenntnisse in konkrete Verbesserungen für Menschen, Institutionen und die Vierländerregion insgesamt übersetzt haben. Für diese Initiativen soll der Preis eine Wertschätzung darstellen. Aber nicht nur das: Er soll helfen, die Wirkung, die jetzt schon sichtbar ist, zu skalieren, zu übertragen und zu verankern.
Das Thema gesellschaftliche Wirkung spielt in der aktuellen Strategie des W4 insgesamt eine noch wichtigere Rolle als zuvor. Warum?
Wir leben in einer Zeit, in der sich Krisen überlagern – und genau deshalb braucht es belastbare Verbindungen zwischen Wissenschaft und Praxis. Nur so lassen sich die komplexen Herausforderungen unserer Gegenwart überhaupt sinnvoll angehen. Wissenschaft kann dabei Orientierung geben. Aber dafür muss das Vertrauen in sie wachsen. Hier setzt der Change Award an: Er macht sichtbar, dass Forschung nicht im Elfenbeinturm stattfindet, sondern ganz konkret im Alltag Wirkung entfalten kann.
Besonders spannend finde ich dabei die Vielfalt der Perspektiven in unserem hochschulartenübergreifenden Verbund. Hier treffen sehr unterschiedliche Zugänge aufeinander: Eine Musikhochschule entwickelt andere Vorstellungen von gesellschaftlicher Verantwortung als eine Hochschule für angewandte Wissenschaften, eine Universität oder eine Pädagogische Hochschule. Gerade in diesen unterschiedlichen Antworten liegt die eigentliche Stärke. Denn Vielfalt ist kein Nebeneffekt – sie ist die Voraussetzung für tragfähige Lösungen.

Wirkung, neudeutsch Impact, hat in der Wissenschaftswelt als Schlagwort ja Karriere gemacht, ohne dass immer ganz klar wäre, was es bedeuten soll. Was versteht Ihr im Kontext des W4 darunter?
Ja, Wirkung ist zunächst abstrakt und ruft unterschiedlichste Assoziationen hervor. Ein Medikament zum Beispiel hat – hoffentlich – eine Wirkung. Mir gefällt der Begriff der gesellschaftlichen Veränderung, weil er den Fokus auf die jeweiligen Zielgruppen lenkt und nach dem Einfluss auf diese fragt. Ein weiterer Aspekt, der für uns im W4 hier zentral ist: Unser Ausgangspunkt ist zwar die Wissenschaftscommunity, aber Wirkung entsteht selten allein. Wir verstehen sie immer auch als Resultat der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis.
Vor der ersten Preisverleihung darfst du natürlich keine konkreten Beispiele nennen, um die Jury nicht zu beeinflussen. Geht es trotzdem noch etwas konkreter?
Vielleicht wird es greifbarer, wenn man sich vergegenwärtigt, dass wir aktuell in drei thematischen Schwerpunkten arbeiten. Das ist der gesellschaftliche Zusammenhalt, die Nachhaltigkeit in der Region sowie der Schwerpunkt Arbeit und Talente. Diese formulieren in ihren jeweiligen Missionen eine Idee davon, wie wir uns positive Transformation in diesen Feldern vorstellen.
Konkreter denke ich etwa an grenzübergreifende Beteiligungsformate zwischen Hochschulen, Kommunen und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Da könnte es um demokratische Teilhabe gehen, darum, gesellschaftliche Spannungen zu bearbeiten und Vertrauen in Entscheidungsprozesse aufzubauen. Ich denke aber auch an ein Thema wie Stadtentwicklung, wo Designer*innen, Ingenieur*innen, Bürger*innen sowie Politik und Wirtschaft gemeinsam nachhaltige Stadträume mit weniger Lärm und mehr Grün schaffen. Und solche Projekte sind im besten Fall getragen von einem stabilen Netzwerk, das diese Gedanken und Ergebnisse verstetigt und weiterträgt.
Was sind die weiteren Kriterien, wenn ich mich bewerben will?
Wir arbeiten mit zwei Tracks. Der Track „Proven Impact“ zielt auf Projekte, die schon zeigen können, dass und welche Veränderungen sie angestoßen haben. Der Track „Emerging Impact“ honoriert Projekte, die bereits erste Ergebnisse vorweisen können und großes Potenzial besitzen, diese gesellschaftlich zu verankern. Sie müssen ausdrücklich nicht fertig sein. Übrigens: Es dürfen sich auch Projekte bewerben, die nicht schon von uns gefördert wurden oder werden. Es reicht, wenn sie an einer unserer Mitgliedshochschulen im W4 angesiedelt sind. Und noch eine Besonderheit: Anders als bei unseren sonstigen Förderangeboten sind auch Projekte antragsberechtigt, die „nur“ einen regionalen, aber keinen grenzüberschreitenden Kontext haben. Auch ein Bezug zu unseren Schwerpunktthemen ist nicht zwingend.
Wir wollen das gesamte Gestaltungspotenzial der Region sichtbar machen.
Apropos: Gibt es schon eine Idee, wann und wo der Preis verliehen wird?
Ja, die Preisverleihung findet am 10. März 2027 im Rahmen des Abschlussevents der W4-Labs in Dornbirn statt. Dort werden die in den vergangenen drei Jahren entwickelten Lösungen für die nachhaltige Transformation der Region vorgestellt und Anwendungsmöglichkeiten mit Vertreter*innen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft diskutiert. Es werden also viele unterschiedliche Stakeholder vor Ort sein – eine gute Gelegenheit, um weitere Kontakte zu knüpfen. Uns ist generell wichtig, dass jedes teilnehmende Projekt aus dem Prozess etwas mitnimmt. So erhalten alle ein Feedback der Jury, und wir im Verbund helfen Projekten mit Potenzial auch immer gerne bei der Vernetzung.
Und was nehme ich zusätzlich mit, wenn ich gewinne?
5.000 Euro als Geldpreis, wobei ein Teil des Preisgelds für ein individuell abgestimmtes Coaching-Paket vorgesehen ist. Wie gesagt: Im Zentrum steht der Gedanke, die prämierten Projekte bei der gesellschaftlichen Verankerung ihrer Vorhaben zu unterstützen – finanziell, aber auch methodisch. Wie diese Begleitung genau ausgestaltet wird, orientiert sich an den Bedarfen der Preisträger*innen und wird auch im Antrag konkret erfragt – das kann von der Unterstützung bei der Erweiterung des Netzwerks über Produktentwicklung bis hin zur Planung von Kommunikationsmaßnahmen reichen.
Wo erfahre ich mehr über das Verfahren?
Natürlich hier bei uns auf der Webseite oder im persönlichen Austausch mit uns. Eine wichtige Information habe ich an dieser Stelle schon: das Kernstück der Bewerbung sollte ein Videopitch sein. Das bietet sich bei diesem Thema einfach an und wir sind schon gespannt auf die Projekteinblicke.
Alle Informationen und Formulare zur Ausschreibung finden Sie hier.